Mit der Schule über Anpassungen sprechen: Leitfaden für Eltern
Viele Familien stehen, nachdem sie vermuten oder bestätigt bekommen haben, dass ihr Kind eine Legasthenie oder ADHS hat, vor einer Frage, die schwerer sein kann als die Diagnose selbst: wie spreche ich es in der Schule an? Mit wem rede ich zuerst, mit der Klassenlehrerin oder mit der Beratungslehrkraft? Und was, wenn es so wirkt, als würde ich zu viel verlangen oder übertreiben?
Es ist völlig normal, sich vor diesem ersten Gespräch unsicher zu fühlen. Man muss weder Bildungsexperte sein noch die Vorschriften auswendig kennen, um mit der Schule zu sprechen: man braucht vor allem Ruhe, ein wenig Vorbereitung und die klare Vorstellung, dass Eltern und Lehrkräfte in Wahrheit auf derselben Seite stehen.
Inhalt dieses Ratgebers
Vor dem Gespräch: was man vorbereitet
Mit etwas Vorbereitung in das Gespräch zu gehen, macht es konkreter und weniger abstrakt, für die Familie wie für die Lehrkraft. Es geht nicht darum, ein festes Skript mitzubringen, sondern darum, sich vorher über einige Punkte im Klaren zu sein.
Notieren Sie 2 oder 3 konkrete Beispiele, die Sie zu Hause beobachtet haben. Statt "das Lernen fällt ihm sehr schwer" ist es hilfreicher, eine reale Situation zu beschreiben: "er braucht über eine Stunde, um eine kurze Aufgabenstellung abzuschreiben" oder "er steht ständig auf, wenn er eine längere Aufgabe im Sitzen machen soll". Konkrete Beispiele helfen der Lehrkraft, die Schwierigkeit vor Augen zu haben und sie mit dem zu verbinden, was sie im Unterricht sieht.
Bringen Sie vorhandene Berichte oder Gutachten mit. Ein lernpsychologischer Bericht, eine Diagnose oder ein externes Gutachten geben der Schule eine sachliche Grundlage. Wenn es noch kein Dokument gibt, ist das kein Problem: man kann das Gespräch trotzdem beginnen und erklären, dass ein Verdacht besteht und eine Abklärung läuft.
Legen Sie vorher 1 oder 2 konkrete, realistische Bitten fest. Mit einer langen Liste von Forderungen zu kommen, kann überfordern und das Gespräch blockieren. Die Fundación CADAH empfiehlt genau, gemeinsam realistische Ziele zu planen, wenige, aber erreichbare, statt im ersten Gespräch alles auf einmal angehen zu wollen. Es ist besser, zwei konkrete Änderungen zu vereinbaren und sie später zu überprüfen, als zehn vorzuschlagen, von denen keine richtig umgesetzt wird.
Während des Gesprächs: wie man es anlegt
Der Ton, in dem das Gespräch geführt wird, beeinflusst stark, wie es ankommt. Es als Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule zu verstehen und nicht als Forderung oder Beschwerde, öffnet meist viel mehr Türen, als defensiv zu beginnen.
Die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer entscheidet in der Regel nicht allein, welche Anpassungen gelten. Das Gespräch als ersten Schritt zu verstehen, gemeinsam den besten Weg zu finden, dem Kind zu helfen, statt als Verhandlung, hilft allen, mit derselben Haltung hineinzugehen.
Ein paar Sätze, die das Gespräch öffnen können:
"Wir wollten etwas ansprechen, das wir zu Hause beobachten, um zu sehen, ob Ihnen das auch bekannt vorkommt, und um gemeinsam zu überlegen, wie wir ihm helfen können."
"Wir möchten nicht, dass weniger von ihm verlangt wird, sondern dass es so verlangt wird, dass er besser mitkommt."
"Was halten Sie davon, wenn wir das ein paar Wochen ausprobieren und dann schauen, wie es gelaufen ist?"
Solche Sätze machen deutlich, dass die Familie nicht mit einer festen Forderung kommt, sondern mit dem Willen, gemeinsam mit dem Kollegium eine Lösung zu bauen, die man später überprüfen kann.
Beispiele für angemessene Anpassungen, um die man bitten kann
Nicht jede Anpassung braucht ein offizielles Gutachten oder ein langes Verfahren. Viele sind einfache Anpassungen, die den Unterricht wenig kosten und im Alltag des Kindes einen echten Unterschied machen.
Bei Legasthenie
- Lange Aufgabenstellungen nicht von der Tafel abschreiben lassen, sondern sie bereits geschrieben oder kopiert austeilen, damit die Kraft ins Lösen geht und nicht ins Abschreiben.
- Visuelle Stützen und Schaubilder statt langer, dichter Texte, damit Anweisungen und Inhalte leichter zu verstehen sind.
- Mehr Zeit bei schriftlichen Prüfungen, in Anerkennung dessen, dass Lesen und Schreiben ihn mehr Kraft und Zeit kosten als seine Mitschüler.
Bei ADHS
- Lange Aufgaben in kleinere Schritte teilen, mit klaren Angaben, was gerade dran ist, statt einer einzigen langen Anweisung.
- Ein Sitzplatz, der Ablenkungen verringert, etwa in der Nähe der Lehrkraft oder weit weg vom Fenster und von Mitschülern, mit denen er sich leicht ablenkt.
- Kurze eingeplante Pausen zwischen den Aufgaben, um sich kurz zu bewegen, bevor es weitergeht, statt die ganze Stunde ununterbrochen sitzen zu müssen.
Nach dem Gespräch: in Kontakt bleiben
Ein einziges Gespräch löst, so gut es auch läuft, selten den ganzen Prozess. Mittelfristig macht den Unterschied, dass Familie und Schule dauerhaft in Kontakt bleiben, statt alles auf ein einmaliges Treffen zu Schuljahresbeginn zu setzen.
Ein gemeinsames Mitteilungsheft, auch ein einfaches, oder ein kurzer regelmäßiger Kontakt (eine Notiz, eine kurze E-Mail alle paar Wochen) erlauben es, das Vereinbarte danach anzupassen, wie es im Unterricht läuft, und verhindern, dass die Anpassungen ein Versprechen bleiben, das mit der Zeit verwässert.
Der nächste Schritt
Ein konkretes Beispiel mitzubringen hilft meist mehr, als es nur mit Worten zu erklären. Wenn Sie zu Hause schon ein Heft oder Arbeitsblatt benutzt haben, das Ihrem Kind gut tut, kann es der Lehrkraft sehr klar zeigen, welche Art von Material zu seiner Arbeitsweise passt: Schriftgröße, Textmenge pro Seite, Art der visuellen Stütze.
Bei Zubibook erstellen Sie dieses Beispiel in wenigen Minuten: Sie wählen Alter, Sprache und die konkrete Schwierigkeit (Legasthenie, ADHS oder Autismus) und erhalten ein Heft als druckfertiges PDF, das Sie zum nächsten Gespräch mitnehmen können.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen und unterstützende Aktivitäten. Zubibook ist keine zugelassene medizinische oder pädagogische Einrichtung: Er ersetzt weder die Diagnose noch die Begleitung durch eine Fachperson. Bei Zweifeln an der Entwicklung eines Kindes wenden Sie sich an eine Fachperson.
Denken Sie daran: jede Schule und jedes Kind ist anders. Diese Ideen sind ein allgemeiner Ausgangspunkt und ersetzen weder die Einschätzung noch die Begleitung durch eine spezialisierte Fachkraft.
Nehmen Sie ein Beispielheft mit zum nächsten Gespräch
Wählen Sie Alter, Schwierigkeitsgrad und Sprache und erstellen Sie in Minuten ein druckfertiges Aktivitätenheft als PDF.
- Fundación CADAH — Grundlagen der Beziehung zwischen Schule und Familie eines Kindes mit ADHS
- Fundación CADAH — ADHS: Anpassungen im Lehrplan